By Heinz Henseler

Die vorliegende Studie beschäftigt sich mit einem in seiner Bedeutung unterschätzten Aspekt innerhalb der Selbstmordforschung, dem des gefährdeten Selbstwertgefühls von Suizidanten. Aufbauend auf die neuere psychoanalytische Narzißmustheorie wird der Selbstmord als Krise des Selbstwertgefühls begriffen: Zunächst unverständlichen psychodynamischen Vorgängen kann eine Labilisierung des narzißtischen Regulationssystems vorausgehen, die Suizidhandlung selbst erscheint als krisenhafter Versuch, das gefährdete Selbstwertgefühl zu retten. Ohne die Aggressionsproblematik zu bagatellisieren, wird die klinische Relevanz der sorgsam entwickelten Modellvorstellungen an 50 Patienten, die einen Selbstmordversuch unternommen hatten, geprüft und belegt. Aus der Untersuchung ergeben sich vielfältige Konsequenzen für den Umgang mit Selbstmordgefährdeten, die Beurteilung der Suizidgefahr, die Psychotherapie narzißtisch gestörter Patienten und die Psychohygiene des Selbstwertgefühls.

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Realitatsbezug Fragt man einen Suizidanten nach den Oberlegungen und Vorstellungen, die er sich im Zusammenhang mit dem Suizidversuch gemacht hat, erfahrt man zunachst, er habe die Absicht gehabt, sich umzubringen, auch in Fallen mit offensichtlich lebenserhaltenden Begleitmotiven wie Appell, Rache, Erpressung u. a. ) Fragt man aber we iter , wie denn kurz vor der Suizidhandlung seine Vorstellungen vom Tode gewesen seien, macht man sehr iiberraschende Erfahrungen. Die Vorstellungen sind, falls sie iiberhaupt reflektiert wurden, in der Regel weit von der Konsequenz des Todes, namlich der Beendigung des Lebens, entfernt.

Richtig ist, dag in katholischen Landern wie Italien, Spanien, Portugal, Irland die Selbstmordziffer sehr niedrig liegt (zwischen 2,7 und 8,3 pro Jahr und 100000 Einwohner), in protestantischen Landern wie Danemark, Schweden, Finnland dagegen relativ hoch (zwischen 21 und 22 pro Jahr und 100000 Einwohner). Demgegeniiber steigt in anderen katholischen Landern wie Osterreich und Ungarn die Selbstmordziffer noch hoher als in Danemark, Schweden und Finnland (namlich auf 23,) bzw. 23,5 pro Jahr 31 und 100000 Einwohner), wiihrend protestantische Liinder wie Norwegen und Island eine Selbstmordziffer von nur 7,3 bzw.

Die traumatisierenden Bedingungen scheinen nicht einmalig, sondern fortgesetzt in allen Phasen der friihkindlichen Entwicklung wirksam zu sein. Aus dies em «Kindheitssyndrom» entwickeln sich nicht die klassischen Neuroseformen - wie hysterische, phobische, anankastische, neurasthenische oder psychosomatische Bilder -, vielmehr eine «Neurose zum Selbstmord hin», eine «Neurose der Lebensgestaltung» bzw. der «Lebensverunstaltung». RINGEL sieht diese neurotische Entwicklung durch drei Faktoren bestimmt: erstens durch eine «grundsiitzlich entmutigte Lebenseinstellung», die a priori eine Einengung des Lebensraums bewirkt; zweitens durch eine Fixierung an stereotype Apperzeptions- und Verhaltensmuster, die im Sinne des Wiederholungszwangs die urspriinglich pathogene Konstellation endlos perpetuieren; drittens durch neurotische O'bertragungshaltungen, die auf jede neue Person die Erwartung des Nichtverstandenwerdens, ja'des Alleingelassenwerdens iibertragen.

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